Was ist Fahrräder strahlen?
Fahrräder strahlen ist die Oberflächenvorbereitung von Fahrradrahmen durch Druckluft-Strahlmittel, bei der Altlack, Rost, Zunder und Beschichtungsreste durch den Aufprall feiner Mineralpartikel abgetragen werden. Ziel ist eine saubere, mineralisch raue Stahloberfläche mit Ankerprofil (typischerweise Ra 4–8 µm) als Vorbereitung für Pulverbeschichtung, Grundierung oder Nasslackierung. Für Stahlrahmen wird in der Praxis Kupferschlacke 0,2–0,5 mm bei 3–4 bar verwendet – silikosefrei nach DIN EN ISO 11126-3 und damit eine verbreitete Alternative zu Quarzsand (TRGS 559).
Anwendungsbereiche: Vintage-Restauration (Reynolds, Columbus, Tange), Vorbereitung zur Pulverbeschichtung, Entfernung alter Zweikomponenten-Lackierungen, Aufarbeitung von Tourenrad- und Hollandrad-Rahmen.
Empfohlene Körnung: 0,2–0,5 mm für Stahlrahmen
Für klassische Stahlrahmen aus Cr-Mo, Reynolds oder Columbus ist Körnung 0,2–0,5 mm bei 3–4 bar der Standard-Richtwert. Sie entfernt Altlack, Rost und Zunder gründlich, erzeugt aber kein zu tiefes Ankerprofil auf den dünnen Rohren (0,7–1,2 mm Wandstärke). Das Ergebnis: Ra 4–8 µm, ideal für Pulverbeschichtung und Nasslackierung. Für stabilere Tourenrahmen und Randonneur-Räder aus dickwandigem Stahl können 0,5–1,0 mm bei 4–5 bar verwendet werden.
Warum Stahlrahmen strahlen statt schleifen?
Klassische Stahlrahmen haben Muffen (gelötete Verbindungen), Innenseiten der Rohre, Lötzonen und Gabelinnenflächen – Bereiche, die manuelle oder maschinelle Schleifer kaum erreichen. Strahlen erfasst jede erreichbare Oberfläche gleichmäßig in einem Arbeitsgang, ohne den Stahl zu erwärmen. Das Ergebnis: eine mineralische, gleichmäßige Oberfläche mit Ankerprofil für Grundierung oder Pulverbeschichtung. Kupferschlacke nach DIN EN ISO 11126-3 ist silikosefrei (< 1% freie Kieselsäure) und eine verbreitete Alternative zu Quarzsand.
Körnung und Druck – Richtwerte je Rahmentyp
Die ideale Körnung hängt vom Rahmen-Typ, der Wandstärke und dem Zustand ab. Alle Angaben sind Erfahrungswerte – ein Probelauf an unauffälliger Stelle ist vor der Hauptbehandlung empfohlen.
| Rahmentyp | Körnung | Druck (bar) | Hinweis |
| Cr-Mo Stahlrahmen / Reynolds / Columbus | 0,2–0,5 mm | 3–4 bar | Dünne Wandstärken, Lötzonen schonen |
| Tourenrad / Hollandrad (Stahl) | 0,2–0,8 mm | 4–5 bar | Robuster, breitere Rohre |
| MTB Stahl-Hardtail | 0,2–0,5 mm | 3–4 bar | Schweißnähte beachten |
| Aluminiumrahmen | Glasperlen oder Edelkorund | 2–3 bar | Eisenfrei erforderlich |
Schritt für Schritt – Fahrradrahmen strahlen
Eine strukturierte Anleitung aus der Praxis:
1. Demontage: Lager, Steuersatz, Tretlager ausbauen
Entfernen Sie alle Innenlager (Tretlager, Steuersatz, Sattelstützenklemmung) oder sichern Sie empfindliche Stellen mit Stopfen und Klebeband.
2. Abdecken: Gewinde, Lager-Sitze, Sattelrohrinneres schützen
Alle Gewindeeinsätze, Lager-Sitze und das Innere von Sitzrohren mit Stopfen oder breitem Klebeband abkleben. Strahlerosion kann Gewindeschritte beschädigen.
3. Probelauf an unauffälliger Stelle
Testen Sie Druck und Abstand am Hinterbau-Unterrohr oder einer anderen verdeckten Stelle. Beurteilen Sie das Ergebnis vor der Hauptbehandlung.
4. Strahlen in Bahnen, 45° Winkel, 10–15 cm Abstand
Arbeiten Sie in überlappendem Muster über den Rahmen. Düsenabstand typischerweise 25–35 cm, Strahlwinkel 30–45°, gleichmäßige Pendelbewegung ohne Verweilen.
5. Lötstellen / Schweißnähte mit niedrigerem Druck
Lot und Schweißmaterial sind weicher als Stahl. Druck reduzieren, kurze Pässe, dann weiterbewegen.
6. Abblasen mit Druckluft, Sichtkontrolle Innenflächen
Nach dem Strahlen den Rahmen mit ölfreier Druckluft ausblasen. Überprüfen Sie Innenbereiche auf Strahlmittelreste.
7. Grundierung möglichst innerhalb weniger Stunden
Die gestrahlte Stahloberfläche ist flugrostanfällig. Tragen Sie Grundierung oder Pulverbeschichtung möglichst zeitnah auf – idealerweise am selben Tag.
Verbrauch – Wie viel Strahlmittel pro Rahmen?
Der Verbrauch hängt von Rahmentyp, Rost-Grad und Strahlparametern ab. Folgende Richtwerte aus der Praxis:
| Rahmentyp | Strahldauer (Schätzwert) | Kupferschlacke Verbrauch |
| Rennrad-Rahmen ohne Gabel | 30–45 Min | ca. 8–12 kg |
| Rennrad-Rahmen + Gabel | 45–60 Min | ca. 12–16 kg |
| Tourenrad / Hollandrad | 45–75 Min | ca. 12–18 kg |
| MTB-Hardtail Stahl | 30–50 Min | ca. 10–14 kg |
Ein 25-kg-Sack reicht typischerweise für 1–2 Rahmen je nach Zustand. Der tatsächliche Verbrauch hängt von Druck, Düsendurchmesser, Strahlabstand und Rückgewinnung ab.
Vorbereitung für Pulverbeschichtung – Ankerprofil
Ra-Wert ca. 4–8 µm ist ein typischer Richtwert für Pulverlack-Haftung auf Fahrradrahmen. Mit Kupferschlacke 0,2–0,5 mm bei 3–4 bar ist dieser Wert üblicherweise erreichbar. Die konkrete Anforderung gibt der Pulverlack-Hersteller oder der Beschichter vor. Grundierung oder Beschichtung sollten möglichst zeitnah nach dem Strahlen erfolgen, da gestrahlter Stahl bei normaler Luftfeuchtigkeit schnell zu oxidieren beginnt.
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