Was ist Lack entfernen durch Strahlen?
Lack entfernen durch Strahlen (Sandstrahlen, Druckluftstrahlen) bezeichnet ein Trockenverfahren, bei dem ein körniges Strahlmittel – typischerweise Kupfersilikatschlacke – mit Druckluft auf die lackierte Oberfläche geschleudert wird. Das Strahlmittel trägt Lack, Primer und Korrosionsschichten mechanisch ab und legt blankes Metall oder Holz frei. Im Gegensatz zu Abbeizmitteln entstehen dabei keine chemischen Rückstände; das Verfahren erzeugt gleichzeitig ein Ankerprofil (Rautiefe), das die Haftung von Folgebeschichtungen verbessert. Übliche Anwendungen: Karosserien, Stahlbauteile, Gussteile, Oldtimer-Rahmen und Holzkonstruktionen.
Strahlen, Abbeizen oder Schleifen – der Vergleich
Methode Geschwindigkeit Hinterschnitte Ankerprofil
Strahlen mit Kupferschlacke Sehr hoch Ja Ja
Chemisches Abbeizen Mittel (mehrere Aufträge) Eingeschränkt Kein
Schleifen / Bürsten Niedrig Nein Sehr gering
Trockeneis Hoch Ja Kein
Körnungen je Substrat – Richtwerte aus der Praxis
Holz, Möbel, Treppen0,1–0,4 mm · 2–4 bar
Dünnes Stahlblech, feine Stahlteile0,2–0,5 mm · 3–4 bar
Karosserieblech0,2–0,8 mm · 4–6 bar
Stahlbau mit dickem Lack0,5–1,4 mm · 6–8 bar
Industrielle Beschichtung0,5–2,0 mm · 7–9 bar
Alle Angaben sind Richtwerte. Die optimale Körnung und der Druck hängen von Substrat, Lackdicke, Kompressor und Düse ab.
Schritt für Schritt – Erfahrungswerte aus der Praxis
01 Substrat prüfen: Materialdicke und Empfindlichkeit beurteilen, Körnung entsprechend wählen.
02 Bauteil entfetten: Wachs, Öl oder Silikon vor dem Strahlen entfernen, damit keine Reste eingeschlagen werden.
03 Druck einstellen: Erfahrungsgemäß niedrig beginnen und schrittweise erhöhen, bis der Lack gleichmäßig abträgt, ohne das Substrat zu schwächen.
04 Strahlen: Üblich sind 15–30 cm Düsenabstand und überlappende Bahnen ohne Verweilen auf einer Stelle.
05 Reinigen: Strahlmittel und Lackpartikel mit Druckluft entfernen.
06 Beschichten: Erfahrungsgemäß zeitnah grundieren oder lasieren, da blanker Stahl rasch reoxidiert.
Kostenvergleich pro Quadratmeter
Eigenleistung Strahlen2–6 € / m²
Lohnstrahlbetrieb12–35 € / m²
Chemisches Abbeizen DIY8–20 € / m²
Schleifen DIY4–10 € (sehr hoher Zeitaufwand)
Richtwerte. Material 21,49 € / 25 kg · Lohnstrahlbetrieb je nach Lackdicke und Geometrie. Alle Angaben können je nach Region und Auftrag variieren.
Kurze Antworten – häufige Fragen zum Lack entfernen
Welche Körnung eignet sich zum Lack entfernen von Karosserieblech?
Erfahrungsgemäß eignet sich Kupferschlacke 0,2–0,8 mm bei 4–6 bar für Karosserieblech. Für dickere Lackschichten auf Stahlbauteilen kann 0,5–1,4 mm sinnvoll sein. Die passende Körnung hängt vom Material, der Lackdicke und dem gewünschten Oberflächenbild ab.
Ist Strahlen besser als Abbeizen zum Lackentfernen?
Strahlen kann mehrere Lackschichten in einem Durchgang abtragen, erfasst Hinterschnitte und erzeugt ein Ankerprofil für Folgebeschichtungen. Abbeizmittel erfordern oft mehrere Aufträge und produzieren Sondermüll. Die konkrete Wahl hängt vom Bauteil und der Situation ab.
Was kostet Lack entfernen durch Strahlen?
In Eigenleistung mit Kupferschlacke liegen die Materialkosten erfahrungsgemäß bei 2–6 €/m². Ein Lohnstrahlbetrieb berechnet typischerweise 12–35 €/m² je nach Objekt und Lackdicke (Richtwerte).
Kann man Lack auch von Holz strahlen?
In vielen Fällen ja. Holz wird typischerweise mit feinerer Körnung 0,1–0,4 mm und niedrigerem Druck von rund 2–4 bar gestrahlt. Eine Probefläche an einer unauffälligen Stelle wird empfohlen (Richtwert).
Was ist ein Ankerprofil beim Strahlen?
Ein Ankerprofil ist die mikroskopische Oberflächenstruktur, die das Strahlmittel in das blanke Metall einarbeitet. Diese Rauheit vergrößert die Haftfläche für Grundierung und Lack. Typische Profiltiefe nach dem Strahlen mit Kupferschlacke: Rz 25–70 µm je nach Körnung und Druck (Richtwert).
Welches Strahlmittel eignet sich am besten zum Lackentfernen?
Kupfersilikatschlacke nach DIN EN ISO 11126-3 ist ein weit verbreitetes Strahlmittel für Lackentfernung: es enthält nach Herstellerangaben keinen freien Quarz und ist hartkörnig genug für gute Abtragsleistung. Für Aluminium, Edelstahl und Chrom sollten nicht eisenhaltige Strahlmittel verwendet werden.
Sicherheit und Entsorgung
Zur empfohlenen Schutzausrüstung gehören Strahlhelm mit Frischluftzufuhr oder P3-Halbmaske, Schutzanzug, Handschuhe und Sicherheitsschuhe. Das eingesetzte Strahlmittel (Kupfersilikatschlacke nach DIN EN ISO 11126-3) enthält nach Herstellerangaben keinen freien Quarz.
Hinweis zur Entsorgung: Die Entsorgung gebrauchter Strahlmittel mit Lackpartikeln hängt vom gestrahlten Material, Beschichtungen, Verunreinigungen und örtlichen Vorgaben ab. Bitte prüfen Sie den konkreten Fall mit der zuständigen lokalen Stelle, einem Entsorgungsfachbetrieb oder anhand offizieller Informationen.
Technische Eckdaten Kupferschlacke
Aussehen Braunes, scharfkantiges Granulat
Korngröße 0,2 – 2,8 mm
Härte (Mohs) 6 – 7
Spezifisches Gewicht 2,9 g/cm³
Schüttdichte 1,6 Mg/m³
Schmelzpunkt 1460 °C
pH-Wert Neutral
NormDIN EN ISO 11126-3
Verpackung25 kg Sack
Alle 8 Körnungen verfügbar
Die passende Körnung hängt vom Substrat und gewünschten Profil ab. Übersicht aller verfügbaren Fraktionen:
0,1 – 0,4 mm Feinststrahlen Stahl, dünne Bleche, hohe Oberflächengüte
0,2 – 0,5 mm Feine Stahlbleche, dünne Bleche
0,2 – 0,8 mm Allround: Stahl, Karosserie, Oldtimer
0,2 – 1,0 mm Stahlbau, Rostentfernung
0,2 – 1,4 mm Schwerer Rostbefall, Stahlkonstruktionen
0,5 – 1,4 mm Beton, Stein, industrielle Entlackung
0,5 – 2,0 mm Grobe Entrostung, Betonbearbeitung
1,4 – 2,8 mm Grobstrahlen, Betonreinigung, Fassaden