Welche Körnung für welchen Rostbefall?
Die Wahl richtet sich nach Rostgrad und Material. Für normalen Rost auf Konstruktionsstahl ist 0,5–1,4 mm die bewährte Allroundlösung. Bei dünnem Blech und Karosserie genügt 0,2–0,8 mm. Schwerer Lochfraß und stark verkrustete Oberflächen verlangen 0,5–2,0 mm oder 1,4–2,8 mm.
Rostgrad Empfohlene Körnung Verbrauch ca.
Flugrost / leichter Rost auf Karosserie0,2–0,8 mm5–10 kg/m²
Normaler Rost auf Stahl0,5–1,4 mm25–40 kg/m²
Schwerer Rost / Lochfraß0,5–2,0 mm oder 1,4–2,8 mm40–60 kg/m²
Warum Strahlen für viele Anwendungen besonders geeignet ist
Mechanisches Schleifen entfernt Rost nur oberflächlich und erreicht keine Poren, Kanten oder Schweißnähte. Chemische Entroster lösen den Rost zwar, hinterlassen aber häufig Salzrückstände, die Folgebeschichtungen unterwandern können. Druckluftstrahlen mit Kupfersilikatschlacke trägt jede Rostschicht ab, erfasst auch tiefe Poren und erzeugt zugleich ein Ankerprofil — die ideale Basis für Zinkprimer oder 2K-EP-Beschichtungen.
Methode Stärken Einschränkungen
DruckluftstrahlenErfasst Poren, Ecken, Schweißnähte; erzeugt Ankerprofil; Sa 2,5 erreichbarBenötigt Strahlanlage, Kompressor, Schutzausrüstung
Mechanisches SchleifenEinfach zugänglich, kein SonderwerkzeugErreicht keine Poren/Ecken; kein einheitliches Ankerprofil
Chemischer EntrosterKeine mechanische BeanspruchungHäufig Salzrückstände; kann Folgebeschichtungen unterwandern
Sa 2,5 – ein verbreiteter Standard im Korrosionsschutz
Sa 2,5 ist ein genormter Reinheitsgrad für gestrahlte Stahloberflächen nach DIN EN ISO 8501-1. Mehr als 95 Prozent der Oberfläche müssen frei von Rost, Zunder und Lackresten sein; verbleibende Reste dürfen nur noch als leichte Punkte oder Streifen sichtbar sein. Viele Beschichtungshersteller setzen Sa 2,5 als Mindestvoraussetzung für Zinkprimer und 2K-EP-Grundierungen voraus.
Sa 2,5 – gründliche Strahlreinigung> 95 % rostfrei, leichte Flecken toleriert
Sa 3 – weißmetallig100 % sauber, für Offshore / Schiffsbau
Erreichbar mitKupferschlacke 0,5–1,4 mm bei 6–8 bar
Ankerprofil Rztypisch 40–70 µm
Schritt für Schritt – Erfahrungswerte aus der Praxis
01 Entfetten: Öl, Fett und lose Schichten entfernen, damit keine Verunreinigungen in die Oberfläche eingeschlagen werden.
02 Strahlmittel wählen: Körnung passend zu Rostgrad und Material (siehe Tabelle oben). Körnung und Druck immer erst an einer Stelle testen.
03 Druck einstellen: 6–8 bar Düsendruck — höherer Druck steigert eher Verbrauch und Staub als die Wirkung.
04 Strahlen: Düsenabstand 15–25 cm, Winkel 60–90°, gleichmäßig überlappende Bahnen. Großflächig in eine Richtung arbeiten.
05 Reinheitsgrad prüfen: Sichtprüfung gegen Referenzbilder Sa 2 / Sa 2,5 / Sa 3 nach DIN EN ISO 8501-1.
06 Abblasen: Strahlmittelstaub mit Druckluft entfernen, bevor grundiert wird.
07 Zeitnah beschichten: Innerhalb weniger Stunden mit Zinkprimer oder 2K-EP-Grundierung — blanker Stahl beginnt bei Luftfeuchtigkeit schnell zu oxidieren.
Sicherheit beim Entrosten
Strahlen erzeugt Staub, auch wenn Kupferschlacke weniger als 1 % freie Kieselsäure enthält (DIN EN ISO 11126-3). Empfohlen werden Strahlhelm mit Frischluftzufuhr oder mindestens P3-Halbmaske, Schutzanzug, Schutzhandschuhe und Sicherheitsschuhe. Nach öffentlich zugänglichen TRGS-559-Informationen ist quarzhaltiges Strahlmittel mit hohem SiO₂-Anteil für das offene Druckluftstrahlen nicht zugelassen; die konkrete Beurteilung hängt vom Verfahren, der Exposition und den jeweils geltenden Vorgaben ab.
Wann muss nach dem Entrosten grundiert werden?
Nach dem Strahlen ist schnelles Handeln entscheidend. Blanker Stahl beginnt in feuchter Umgebung innerhalb weniger Stunden erneut zu oxidieren; sichtbarer Flugrost kann sich je nach Luftfeuchtigkeit schon nach 2–4 Stunden bilden. Bewährt haben sich Zinkstaub-Primer oder 2K-EP-Grundierungen, direkt auf den gestrahlten, staubfreien Untergrund aufgetragen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Regengefahr ist besondere Eile geboten, da Feuchtigkeit die Haftfestigkeit erheblich verschlechtert.
Technische Eckdaten Kupferschlacke
Aussehen Braunes, scharfkantiges Granulat
Korngröße 0,2 – 2,8 mm
Härte (Mohs) 6 – 7
Spezifisches Gewicht 2,9 g/cm³
Schüttdichte 1,6 Mg/m³
Schmelzpunkt 1460 °C
pH-Wert Neutral
NormDIN EN ISO 11126-3
Verpackung25 kg Sack
Alle 8 Körnungen verfügbar
Die passende Körnung hängt vom Substrat und Rostgrad ab. Übersicht aller verfügbaren Fraktionen:
0,1 – 0,4 mm Feinststrahlen Stahl, dünne Bleche, hohe Oberflächengüte
0,2 – 0,5 mm Feine Stahlbleche, dünne Bleche
0,2 – 0,8 mm Allround: Stahl, Karosserie, Oldtimer
0,2 – 1,0 mm Stahlbau, Rostentfernung
0,2 – 1,4 mm Schwerer Rostbefall, Stahlkonstruktionen
0,5 – 1,4 mm Beton, Stein, industrielle Entlackung
0,5 – 2,0 mm Grobe Entrostung, Betonbearbeitung
1,4 – 2,8 mm Grobstrahlen, Betonreinigung, Fassaden